Das Forum der Zivilgesellschaften von Russland und Deutschland Petersburger Dialog wurde 2001 auf die Initiative und unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Russischen Föderation W. Putin und des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland G. Schröder gegründet. Das Hauptziel des Forums war und bleibt Schaffung einer festen Basis für die Entwicklung der deutsch-russischen Beziehungen durch die Erweiterung der Kooperation zwischen den Zivilgesellschaften beider Länder. Die Schaffung des Forums fand im Rahmen der allgemeinen raschen Entwicklung der deutsch-russischen Beziehungen und der Verstärkung von Positionen der Russischen Föderation auf der Weltbühne.

Das erste Forum fand im April 2001 in Sankt Petersburg statt. Das Thema lautete: Russland und Deutschland an der Schwelle des 21. Jahrhunderts – Ein Blick in die Zukunft. Daran nahmen rund 100 Vertreter der deutschen und russischen Gesellschaft teil. Die Arbeit wurde in fünf Arbeitsgruppen geleistet: Politik und Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Geschäftswelt, Wissenschaft und Bildung, Kultur, Medien.

Des Weiteren wurde das Forum alljährlich durchgeführt. Zum Veranstaltungsort wurden abwechselnd russische und deutsche Städte. Bis 2008 war Sankt Petersburg ständig der Veranstaltungsort des Petersburger Dialogs auf dem Territorium Russlands, aber dann auf Grund des dringlichen Wunsches von der deutschen Seite wurde die Entscheidung getroffen, Veranstaltungsstädte zu wechseln. Zum ersten Vorsitzenden des russischen Lenkungsausschusses wurde der Innenminister der Russischen Föderation Boris Gryslow gewählt, zum ersten Vorsitzenden des deutschen Lenkungsausschusses – das Mitglied des Aufsichtsrates, Axel-Springer-Verlag, Peter Boenisch. Im Jahre 2002 hat Michail Gorbatschjow die Leitung des russischen Lenkungsausschusses übernommen, dem Wiktor Subkow 2009 in diesem Amte folgte.Nachdem Peter Boenisch aus dem Leben geschieden war, wurde Lothar de Maiziere zum Vorsitzenden des Lenkungsausschusses. Ab 2015 leitet Ronald Pofalla das Forum von der deutschen Seite. In den ersten Jahren der Arbeit betrug die Teilnehmeranzahl 70-80 Vertreter von jeder Seite, zur zweiten Hälfte der Nullerjahre stieg sie auf 100-150 Menschen. Jedes Jahr nimmt die Anzahl der Teilnehmer vom Petersburger Dialog zu.

Ab 2001 arbeitete sich allmählich das einheitliche Modell der Veranstaltung der alljährlichen Foren heraus. Die Arbeit des Forums dauerte 2-3 Tage. Im Anschluss an offizielle Eröffnung kam die Plenarsitzung, wo die Podiumsdiskussion zum Hauptthema des Petersburger Dialogs abgehalten wurde. Zuerst nahmen an der Podiumsdiskussion jeweils 2-3 Vertreter von jeder Seite teil, ab 2009 ist man zur neuen Konzeption übergangen – zwei große Vorträge, einer von der russischen Seite und einer von der deutschen. In verschiedenen Jahren hielten folgende Personen die Vorträge über das Hauptthema des Forums: Michail Kowaltschuk (Direktor des nationalen Forschungszentrums Kurtschatow-Institut; Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft und Innovationen der Gesellschaftskammer der Russischen Föderation) und Wolfram Weimer (Mitglied des Publikumsrates für öffentlich-rechtliche Massenmedien der Bundesländer Berlin und Brandenburg); Dr. Udo Di Fabio (Richter des Bundesverfassungsgerichts) und Michail Schwydkoj (Präsident der Stiftung „Russische Fernsehakademie“ und Sonderbeauftragter des Präsidenten der Russischen Föderation für internationale kulturelle Zusammenarbeit). Im Jahre 2015 Vorträge hielten Dr. Wolfgang Ischinger (Botschafter, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz) und German Gref (Präsident und Vorsitzender des Vorstandes, Sberbank Russlands).  

Der Podiumsdiskussion folgten Sitzungen in den themenbezogenen Arbeitsgruppen, jede von denen ihre Tagesordnung hatte. Im Jahre 2011 wurden zum ersten Mal 4 themenübergreifende Paneldiskussionen nach den Arbeitsgruppensitzungen durchgeführt. Dabei hat man den Teilnehmern überlassen, für sich selbst die Paneldiskussion zu wählen. In der Regel dauern die Arbeitsgruppensitzungen den ganzen Arbeitstag.

Zur Abschlussveranstaltung wird die Plenarsitzung im Beisein der Chefs der beiden Länder, wo die Ergebnisse des Forums zusammengefasst werden. Im Laufe der ganzen Geschichte des Petersburger Dialogs hielten die Abschlussrede die Co-Vorsitzenden des Lenkungsausschusses im Abschlussplenum, wonach die kurzen Vorträge des Präsidenten der Russischen Föderation und des Bundeskanzlers der BRD kamen. Die Staatchefs beantworteten auch die Fragen der Forumsteilnehmer.

Die Sitzungen des Forums werden mit der großen Anzahl von zusätzlichen Veranstaltungen begleitet, darunter sind Kulturprogramm, Ausstellungen, Pressekonferenzen. Des Öfteren findet die Signierung der wichtigen bilateralen Dokumente statt.

Die Anzahl der Arbeitsgruppen des Forums steigerte sich allmählich. Im Jahre 2002 wurde zu den fünf obengenannten Gruppen die Arbeitsgruppe Zivilgesellschaft hinzugefügt, im Jahre 2004 – Zukunftswerkstatt, im Jahre 2007 – Kirchen in Europa, im Jahre 2016 – Gesundheit und Ökologische Modernisierung. Zunächst sammelten sich die Arbeitsgruppen zu den Sitzungen nur im Rahmen der alljährlichen Foren, aber zur zweiten Hälfte Nulljahre kam es zum allmählichen Übergang zum ganzjährigen Arbeitsmodell.

Die Wahl des Hauptthemas wurde jedes Jahr auf Grund der Liste der für Russland und Deutschland aktuellsten Sujets bestimmt. Die Themen wurden auf folgende Weise formuliert:

2002 - Deutschland und Russland in einer sich neu ordnenden Welt

2003 – Deutschland und Russland in Europa

2004 – Russland und Deutschland - Partner im Entwicklungsprozess der Europäischen Zusammenarbeit

2005 – Deutschland nach den Wahlen. Perspektiven und neue Entwicklungen in den deutsch-russischen Beziehungen

2006 – Deutschland und Russland in europäischer Verantwortung

2007 – Einheit Europas – Deutsche und Russische Beiträge

2008 – Russland und Deutschland in der globalisierten Welt: Partner in der Modernisierung

2009 – Wege aus der Krise aus Sicht der Zivilgesellschaften Deutschlands und Russlands

2010 – Deutsche und russische Gesellschaft im nächsten Jahrzehnt

2011 – Bürger, Gesellschaft und Staat – Partner im Modernisierungsprozess

2012 – Russland und Deutschland: Die Informationsgesellschaft vor den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts

2013 - Soziale und politische Rechte als Bedingung für eine freie Gesellschaft

2015 – Modernisierung als Chance für ein gemeinsames europäisches Haus

2016 – Russland und Deutschland im Angesicht globaler Herausforderungen

 

Die Teilnehmer des Forums übergingen sowohl in den Plenarsitzungen, als auch in den Arbeitsgruppensitzungen von den vorwiegend allgemeinen und abstrakten Fragen zu den konkreten Problemen, Sujets und Kooperationsprojekten. Es lässt sich dadurch erklären, dass es den Seiten in der ersten Hälfte der Nulljahre noch bevorstand, die Atmosphäre der Zusammenarbeit und des Vertrauens zu schaffen und ihre Meinungen über das große Fragenkomplex auszutauschen, indem man die Basis für weitere, konkretere Diskussionen gestaltet. Zur zweiten Hälfte der Nulljahre wurde diese Aufgabe im Großen und Ganzen erfüllt.

Ab 2008 nehmen die Probleme der Modernisierung immer mehr Platz in den Diskussionen ein. Verbunden ist es mit der Erklärung der deutsch-russischen „Partnerschaft in der Modernisierung“ 2008, an der der Petersburger Dialog intensiv teilnimmt.

Ein ziemlich wichtiges Problem ist das Niveau der Aufgeschlossenheit und der Verständigung der Forumsteilnehmer. Das ist einer der Schwerpunkte, auf den man einen großen Wert legt. Selbstverständlich, lässt sich das Vertrauens- und das Verständigungsniveau in Ziffern nicht äußern, aber nach Einschätzung der Teilnehmer des Petersburger Dialogs ist es von 2001 bis 2016 beträchtlich gestiegen. Die Diskussionen wurden offener, die Seiten geben sich mehr Mühe, um einander zu hören und zu verstehen.

Während die Tätigkeit des Petersburger Dialogs in den ersten Jahren seiner Arbeit im Grunde auf die Organisation und die Durchführung der alljährlichen Foren zurückzuführen war, begann sich die Situation ab der Mitte der Nulljahre allmählich zu verändern. Der Petersburger Dialog begann sich in eine ganzjährig funktionierende Struktur zu entwickeln. Es wurde in erster Linie durch die Aktivierung der Arbeitsgruppen realisiert, die die Sitzungen in der Zeit zwischen den alljährlichen Foren abzuhalten begannen. Heute führt jede Arbeitsgruppe im Durchschnitt 2-3 zusätzliche Sitzungen pro Jahr in verschiedenen Städten Russlands und Deutschlands durch.

Es werden auch dazu deutsch-russische Konferenzen, Seminare und Symposien zum breiten Problemspektrum im Rahmen des Forums durchgeführt. Ihre Zahl stieg kräftig im Jahre 2011.

Ab der Mitte des laufenden Jahrzehnts wurde die Arbeit an konkreten Projekten unter der Schirmherrschaft des Petersburger Dialogs begonnen. Es werden namentlich folgende Hauptprojekte realisiert:

1. Koch-Metschnikow-Forum

Das Koch-Metschnikow-Forum wurde 2006 gegründet und dient zum Dialog zwischen den Vertretern des Systems des Gesundheitswesens der beiden Länder, in erster Linie aber zur Koordinierung der Arbeit zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten (Tuberkulöse, Hepatitis, AIDS usw.). Die Aufgabe der Organisation ist, das dichte Beziehungsnetz zwischen den Einrichtungen (vorwiegend im Forschungsbereich) im Gesundheitswesen der beiden Länder zu schaffen. Im Rahmen des Forums werden Konferenzen durchgeführt und gemeinsame Forschungsprojekte zur Bekämpfung von gefährlichen Infektionskrankheiten realisiert.

2. Modernisierungspartnerschaft

Die im Juni 2008 vom Innenminister der BRD Frank-Walter Steinmeier geäußerte Idee der Modernisierungspartnerschaft haben die Teilnehmer des Forums ausdrücklich begrüßt. Im Oktober 2008 wurde im Rahmen des ordentlichen alljährlichen Forums in Sankt-Petersburg die „Erklärung zur Gestaltung der deutsch-russischen Modernisierungspartnerschaft“ unterschrieben.

Im Jahre 2011 wurden die ersten Ergebnisse der Arbeit auf diesem Gebiet angekündigt, im Rahmen des alljährlichen Forums in Hannover fand die Unterzeichnung zweier deutsch-russischen Vereinbarungen statt.

3. Projekte im Kulturbereich

Unter Anleitung der Arbeitsgruppe Kultur wurde in der zweiten Hälfte der Nulljahre eine Reihe gemeinsamer Projekte realisiert. Hauptsächlich waren das gemeinsame Ausstellungen und Konferenzen. Besonders soll die Kooperation im Bereich der Filmkunst erwähnt werden (Schaffung der gemeinsamen Akademie der Filmkunst 2009, Unterzeichnung des zwischenstaatlichen Filmkunstförderungsabkommens 2011) sowie Theaterprojekte „Mozart im Fernen Osten“ und „Figaro im Fernen Osten“.

4. Peter-Boenisch-Gedächtnispreis

Der Peter-Boenisch-Preiswurde 2008 gestiftet und wird jährlich den jungen russischen und deutschen Journalisten verliehen, die durch ihre Tätigkeit zur Annäherung und Verständigung zwischen den Zivilgesellschaften der beiden Länder beitragen.

5. Sozialforum

Das deutsch-russische Sozialforum ist ein Projekt der Arbeitsgruppe Zivilgesellschaft, das 2011 das Licht der Welt erblickt hat. Seine Hauptaufgabe ist, die Zusammenarbeit der russischen und der deutschen nichtkommerziellen Organisationen zu knüpfen, die im sozialen Bereich tätig sind, und ihre Verständigung mit den Staatsorganen zu verbessern. Das Sozialforum soll eine Netzstruktur werden, die möglichst viel Teilnehmer vereinigt.

2017 fand das III Sozialforum in Pskow statt, wo Fachleute aus Deutschland und Russland Erfahrungen auf dem sozialen Bereich ausgetauscht, existierende Probleme festgestellt und einen Plan für die weitere Zusammenarbeit entwickelt haben.

6. Jugendforum Petersburger Dialog

2013 in Sankt Petersburg begann seine Tätigkeit das I. Jugendforum, das nach dem Vorbild des Petersburger Dialogs gegründet wurde. Das Hauptthema der Sitzungen von vier Arbeitsgruppen („Politik und Wirtschaft“, „Medien und Kultur“, „Zivilgesellschaft und Kirchen in Europa“, und „Wissenschaft und Bildung, Zukunftswerkstatt“) lautete: Neue Generation. Gemeinsam die Zukunft gestalten.

2014 fand das II. Jugendforum Petersburger Dialog zum Thema "Russland und Deutschland: Partnerschaft der Ideen" in Moskau statt.

2015 fand das III. Jugendforum Petersburger Dialog zum Thema "Zusammenarbeit und Partnerschaft für die Zukunft" in Moskau statt.

2016 fand das IV. Jugendforum Petersburger Dialog in München statt. Das Hauptthema wurde auf folgende Weise formuliert: "Junge Generation für die Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen".

2017 fand das V. Jugendforum Petersburger Dialog zum Thema "Staat, Gesellschaft, Wirtschaft: gemeinsame Verantwortung in turbulenten Zeiten" in Sankt Petersburg statt.

Außerdem fand 2017 das erste Russisch-deutsche Filmfestival Petersburger Dialog im Rahmen des Jugendforums statt. Am Wettbewerb nahmen 25 deutsche und russische Kurzfilme teil.